Warum Lichtenau-Ulm beide Betriebsrichtungen betrifft:

RWY 21 – Starts Richtung Südwesten

Flugzeuge starten vom Flughafen nach Südwesten und fliegen über beziehungsweise nahe Lichtenau-Ulm.

RWY 03 – Landungen aus Südwesten

Flugzeuge kommen aus Südwesten, passieren Lichtenau-Ulm und landen in Richtung Nordosten.

Technische Eckdaten für Interessierte
Bahnachse RWY 21 (magnetisch/wahr)
210,7° (SSW über Ulm/Lichtenau) – verlängerte Landebahnachse
ILS/LOC RWY 21
211° (IKBW 108,75) – Bezugsachse für PFB-Nebenbestimmung
ILS/LOC RWY 03
031° (IKBE 109,95) – Landerichtung aus SSW = 211°, Anflug über Ulm/Lichtenau bei Betrieb 03
SL400-Messpunkt
Am Waldhag 9, Lichtenau-Ulm · 48,72693° N / 8,02123° E
Betriebszeiten FKB
06:00–22:00 Uhr Regelbetrieb; 22:00–24:00 Uhr Starts und Landungen nur in Ausnahmefällen, die vom Betreiber gesondert zu genehmigen sind (PPR); 24:00–06:00 Uhr grundsätzlich untersagt (außer Notfälle, HEMS, PPR-Einzelfälle)

Stand der Dinge (Datenstand: Basisdossier Rev. 4, 30.08.2026)

Flugbahnen bündeln sich in Richtung Wohnbebauung

Über alle Flugbewegungen in oder aus Richtung Südwest liegen 93 % der ADS-B-erfassten Trajektorien im Nahbereich westlich der Sollachse 211° und damit in Richtung der Wohnbebauung von Lichtenau-Ulm.

Nächtliche Bewegungen haben deutlich zugenommen

Die nächtlichen Flugbewegungen (22–24 Uhr) sind laut ACCON-Berichten zwischen 2022 und 2025 um 81,5 % gestiegen. Im Zeitfenster 23–24 Uhr haben sich diese nahezu vervierfacht. 2026 (Auswertezeitraum 01.01.–30.08.) entfielen in den Nachtstunden 81 % der Flugbewegungen (264 von 326) auf den Ryanair-Konzern.

RWY 21 wird häufiger genutzt, als der Wind allein erwarten ließe

Flugzeuge starten und landen nach Möglichkeit gegen den Wind. Deshalb wurden 13.939 standardisierte Flugplatz-Wettermeldungen (METAR) mit der beobachteten Pistennutzung verglichen. Das Ergebnis der Projektauswertung: RWY 21 wurde in jedem Zeitfenster häufiger genutzt, als die Winddaten allein nahelegen.

Die Nachtmessung zeigt Prüfbedarf

Die eigene Langzeitmessung (Trotec SL400, 15.–30.08.2026) bestätigt: LAeq Tag = 52,1 dB(A), LAeq Tag-spät = 49,6 dB(A), LAeq Nacht (22–06 Uhr) = 45,5 dB(A) – über 5 dB oberhalb des WHO-2018-Richtwerts für ungestörten Schlaf von 40 dB(A).

Lichtenau-Ulm fehlt in der amtlichen örtlichen Erfassung

Die Fluglärmbelastung wird in Lichtenau-Ulm bislang nicht an einem eigenen amtlichen Referenzpunkt abgebildet. Die bestehenden Punkte IP 1 bis IP 6 gehen auf eine privatrechtliche Vereinbarung vom 19.04.1996 mit Hügelsheim und Rheinmünster zurück. Nach unserer Auswertung der verfügbaren Unterlagen ist nicht erkennbar, dass einer dieser amtlichen Referenzpunkte die Situation in Lichtenau-Ulm repräsentiert. Genau deshalb fordert die Initiative eine nachvollziehbare amtliche Erfassung vor Ort.

Stand der Quellenprüfung: 22. September 2026

Nachtflugregeln im Vergleich

Ein „Nachtflugverbot“ bedeutet nicht an jedem Flughafen dasselbe. Entscheidend ist nicht allein die Uhrzeit, sondern die Frage, ob die Zahl der Flüge in der Nachtrandzeit begrenzt ist. Die folgende Gegenüberstellung zeigt die wesentlichen Zeitgrenzen, Ausnahmen und Mengengrenzen an fünf weiteren deutschen Flughäfen. Sie enthält nur Angaben, die in der durchgeführten Prüfung aus amtlichen Dokumenten belegt werden konnten. Wo eine Angabe nicht eindeutig feststeht, ist dies ausdrücklich mit „noch zu klären / n.a.“ gekennzeichnet.

Auf kleinen Bildschirmen lässt sich die Tabelle seitlich verschieben.

Regelung Karlsruhe/Baden-Baden Stuttgart Düsseldorf Dortmund Memmingen Friedrichshafen
Nachtruhe grundsätzlich 22–6 Uhr Start- und Landeverbot. Davon ausgenommen sind 22–23 Uhr alle lärmarmen Flugzeuge über 5,7 Tonnen nach der Bonus-Liste des Bundes, sofern der Flughafenbetreiber zustimmt (PPR); 23–24 Uhr nur Verspätungen; ab 24 Uhr grundsätzlich keine Starts und Landungen 23–6 Uhr Starts; 23:30–6 Uhr Landungen 22–6 Uhr Starts; 23–6 Uhr Landungen 22–6 Uhr Starts; 23–6 Uhr Landungen 23–6 Uhr 22–6 Uhr
Letzter planmäßiger Start 23:00 Uhr nach vorheriger Zustimmung des Betreibers (PPR); der veröffentlichte Flugplan nutzt dieses Fenster regelmäßig 23:00 Uhr 22:00 Uhr 22:00 Uhr 22:00 Uhr 22:00 Uhr
Letzte planmäßige Landung 23:00 Uhr nach vorheriger Zustimmung des Betreibers (PPR); der veröffentlichte Flugplan nutzt dieses Fenster regelmäßig 23:30 Uhr 23:00 Uhr 23:00 Uhr 22:30 Uhr; eingeschränkt bis 23:00 Uhr 22:00 Uhr
Verspätete Starts noch möglich bis 24:00 Uhr; höchstens 15 im Monat, mit Zustimmung des Betreibers (PPR) Noch zu klären / n.a.: keine eigene Regel in der amtlichen Quelle Keine verspäteten Starts nach 22:00 Uhr belegt 22:30 Uhr; nur mit Genehmigung des Flughafens 23:00 Uhr Noch zu klären / n.a.: keine amtliche Regelung gefunden
Verspätete Landungen noch möglich bis 24:00 Uhr; als Verspätungsausnahme mit Zustimmung des Betreibers (PPR), ohne Begrenzung der Stückzahl 24:00 Uhr 23:30 Uhr; Flugzeuge mit Heimatbasis am Flughafen bis 24:00 Uhr 23:30 Uhr; nur lärmarme Flugzeuge und nur mit Genehmigung des Flughafens 23:30 Uhr; nur mit Einzelzustimmung Noch zu klären / n.a.: keine amtliche Regelung gefunden
Besonders geschützte Kernzeit 24–6 Uhr 0–6 Uhr 0–5 Uhr; davon ausgenommen Flugzeuge mit Heimatbasis 23:30–6 Uhr 23:30–6 Uhr 22–6 Uhr
Zusätzlicher Schutz an Sonn- und Feiertagen Nominell 20–9 Uhr Start- und Landeverbot. Tatsächlich ist Betrieb auch sonn- und feiertags ab 6 Uhr möglich, weil der Betreiber von 6 bis 9 Uhr selbst zustimmen kann (PPR). Der Umfang der Ausnahme von 20 bis 22 Uhr ist noch zu klären Keine gesonderte Sonn-/Feiertagsregel belegt Keine gesonderte Sonn-/Feiertagsregel belegt Keine gesonderte Sonn-/Feiertagsregel belegt Keine gesonderte Sonn-/Feiertagsregel belegt Vor 9 Uhr und ab spätestens 20 Uhr nur nach vorheriger Zustimmung (PPR); keine Starts 12:30–14:30 Uhr
Begrenzte Zahl an Nachtflügen Keine Stückzahlgrenze. Die frühere zahlenmäßige Begrenzung der Bewegungen zwischen 22 und 24 Uhr wurde 2005 gestrichen und durch Lärmgrenzwerte als Stundenmittel ersetzt Keine Stückzahlgrenze belegt 33 koordinierbare Landungen je Tag zwischen 22 und 23 Uhr Im Mittel 4 Landungen je Tag zwischen 22 und 23 Uhr; höchstens 16 Verspätungen im Monat, darüber hinaus nur mit Zustimmung der Luftaufsicht Keine Stückzahlgrenze belegt Keine Nacht-Stückzahlgrenze; Lärmgrenzwerte und Umlaufbegrenzung

Die Übersicht vereinfacht komplexe Genehmigungsregelungen. Ausnahmen für Notfälle, Rettungs- und Katastropheneinsätze sind nicht vollständig dargestellt. „PPR“ bedeutet, dass ein Flug der vorherigen Zustimmung des Flughafenbetreibers bedarf. Es handelt sich dabei nicht um eine behördliche Entscheidung im Einzelfall: Die Zustimmung erteilt der Betreiber selbst und kann sie im Rahmen der Slot-Vergabe für eine ganze Flugplanperiode geben.

Amtliche Grundlagen und ergänzende Betreiberinformation

Bisherige Schritte

20.10.2026

Erste Antworten eingegangen, Folgeschreiben versendet

Die DFS hat eine Auswertung von Startrichtungen und Flugspuren zugesagt, das Regierungspräsidium Stuttgart und die DFS Aviation Services GmbH haben geantwortet, die Baden-Airpark GmbH hat am 20.10.2026 schriftlich geantwortet und ein Gespräch angeboten. Bei den Regeln zur Startrichtungswahl und bei den Nachtausnahmen verweisen die Stellen aufeinander. Mit Schreiben vom 18. Oktober 2026, versandt am 20. Oktober, haben wir allen Adressaten erneut geschrieben und um Klärung gebeten.

03.09.2026

Schreiben an Behörden, Betreiber und Ministerium versendet

Am 3. September 2026 wurden Auskunfts- und Prüfbitten an das Regierungspräsidium Karlsruhe, die Baden-Airpark GmbH, das Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg sowie zuvor am 25. August 2026 ein IFG-Auskunftsersuchen an die DFS Deutsche Flugsicherung versendet. Ergänzend erhielten Bürgermeister und Gemeinderat der Stadt Lichtenau ein Informationsschreiben mit Bitte um Beratung im Gemeinderat.

30.08.2026

Basisdossier Revision 4 veröffentlicht

Das konsolidierte Basisdossier „Fluglärmbelastung Ulm/Lichtenau durch den Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden (EDSB)" liegt in Revision 4 vor. Es fasst die Bewegungsanalyse bis 30.08.2026, die erweiterte Trotec-SL400-Langzeitmessung (15.–30.08.2026), die METAR-Kreuzprüfung und die rechtliche Bewertung zusammen.